Gastbeiträge

Ein interessanter Briefwechsel mit dem ORF

Ein interessanter Briefwechsel mit dem ORF

 
Lutz Nowotny an Frau Direktor Dolati
 
Guten Tag Frau Dolati
Werte Frau Direktor. Es ist schon eine besonderere und verhaltensauffällige Radio Wien Besonderheit, welche das  Corporate Behavior bestimmt> Die Prioritätenreihung von Asylantennews in den Hauptnachrichten. Da prägte die Meldung über die beiden Albanischen Zwillinge das Lead in  Stunde für Stunde. Vom Arigona Hip gar nicht zu reden. Nun ist es eine Familie aus Georgien, welche das Dramatisierungsherz der  Wien Mannschaft (aller?) bewegt. Nummer 1 Meldung heute Samstag 9:30: georgische Familie droht Abschiebung, Meldung 2: Nato Einsatz in Libyen und Stelle 3: in Japan hat die atomare Verseuchung das tausendfache erreicht!!!! Das sind über die RW Seele gefilterte Bedeutungsmanipulationen.
Eigenartig etwa, dass der Tod des im Dienst erschossenen Polizisten vor 4 Wochen nur die vierte News-Stelle und  nur kurze Zeit schaffte. Jener Vater , welcher nicht an der Seite seines frisch operierten Sohnes, im SMZ Ost wachen durfte, die sonst so besorgten Redakteur-Köpfe nicht bewegte. Obwohl hier doch sehr wohl humanitäre Besorgnis angebracht ist. Nächtigungsverbot, weil ein türkischer Vater Einspruch wegen seiner eventuell dort weilenden Frau äußern würde. Nicht auszudenken, würde ein umgekehrter Fall eintreten.
Weiteres Beispiel gefällig? Eine österreichische werdende Mutter wird hochschwanger und nach schwerem Sturz letzte Woche in der Ambulanz Wilheminenspital abgewiesen, weil sie dort (!) nicht entbindet. Im Radio Wien nicht dramatisiert , ja nicht mal erwähnt. Nicht auszudenken wenn das einer Dame mit Immigrationshintergrund oder einer Asylantin widerfahren wäre.
Was sagen Sie dazu Frau Direktor Dolati??
 
Lutz.Nowotny
Dipl. Marketingkaufmann
 
 
Darauf geschah nichts, daher eine
 
URGENZ
 
 
Guten Tag Frau Direktor, werte Frau Dolati
 
Ich schrieb Ihnen als zahlender Kunde und Hörer Radio Wiens vor mehr als 8 Tagen (siehe u.a. mail) zum Thema „ungewöhnliche Prioritäten Reihung in Haupt-Nachrichten“am Beispiel der georgischen Familie, erhielt aber trotz Ersuchen um Aufklärung keine Antwort. Ist das die Art Kundenbeziehung für die Radio Wien Familie, die Sie verstehen? Oder ist mein mail einfach übersehen worden?
Die Marke ORF, das Produkt Radio Wien und der treue Hörer – sie zählen zu den wichtigsten Vermögenswerten eines Unternehmens.Nicht nur bei der Media Analyse! Und sie brauchen vor allem eines: Menschen, die sich darum kümmern.Auch beim ORF und Radio Wien. Hörer sind Kunden! Echt! Wo aber ist IHR CRM Customer Care - das Management von Kundenbeziehungen.
Ich ersuche nochmals um Stellungnahme, bevor ich gezwungen bin einen Einschreibebrief an alle zutreffenden ORF Stellen, Hörer- Seherbeirat und die 35 Stiftungsräte, mit Hinweis auf Negation meiner Anfrage und eine breite Facebook-sowie Twitter Direct-Contact Attack zu starten. Als Marketingmanager weiß ich den  Umfang, die Effizienz und den Impact wohl zu inszenieren, wenn es sein muß.
In Erwartung Ihrer klärenden Antwort
Verbleibe ich mit Gruß
 
Lutz.Nowotny
 
 
Dann endlich die Antwort des Herrn Doktor Tesarek
 
Sehr geehrter Herr Novotny,
ich habe soeben Ihre Kritik plus Urgenz bekommen und darf Ihnen als verantwortlicher Redakteur antworten. Die Tatsachen: Wir haben an diesem Samstag-Morgen um 6:30, 7:00, 7:30, 8:00, 8:30 und 9:00 Uhr ausschließlich die Themen Libyen und Fukushima an der Spitze aller unserer Nachrichten-Sendungen gehabt. Erst um 9:30 Uhr hat die Redakteurin die von Ihnen kritisierte Abschiebungs-Meldung an die erste Stelle gereiht. Und sie hat damit korrekt gehandelt. Denn erstens haben unsere RedakteurInnen im Sinne der Durch-Hörbarkeit unseres Senders den Auftrag, die Themen unserer Nachtrichten - soweit sinnvoll und möglich - zu variieren, und zweitens ist Radio Wien ein Wiener Sender, der Wiener Ereignissen selbstverständlich einen besonderen Stellenwert gibt. Dabei ist es unerheblich, ob diese Ereignisse Zuwanderer betreffen oder nicht. Ein Blick in die Zeitungen hätte genügt, um Ihnen zu zeigen, dass wir keineswegs die Einzigen sind, die diese Geschichte für journalistisch interessant halten. Im Gegenteil.  
Aus all diesen Gründen ist Ihr Vorwurf der Manipulation als völlig absurd zurückzuweisen.
 
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Paul Tesarek
Chefredakteur ORF Studio Wien
 
 
Darauf die Antwort des Rundfunkteilnehmers
 
Herr Dr.Tesarek
 
Sie lesen und schreiben  meinen Namen falsch. Egal soll sein. Sie  lesen jedoch auch mein erstes Schreiben nicht genau. Dazu auch nicht Timetable und  Meldungsübersicht der angetönten Samstag Nachrichten. Es waren auch keine „Nacht“-Richten, wie Sie schreiben, sondern absurde Info-Wertungen am Vormittag. Ich habe auch nicht die Meldungen von  6:30; 7:00; 7:30 oder 8:00 kritisiert, sondern die eigenartige Bedeutungsreihung der Radioredaktion  ab 9:30. Und später auch weiterhin. Da sollten Sie ein waches Auge darauf haben. Oder besser:   mithören.
Wenn Sie dann auch noch unbedacht die Printmedien als Beispiel heranziehen, so konnten wir nirgends ein Titelheading zu diesem Fall feststellen. Dramatisierung mittels Headline oder Nr.1 Aufmacher ist was anderes als Subtitle oder Subline, werter Herr Tesarek. Sollte auch ein Funkmann wissen. Auch da haben sie falsch geschaut.
Übrigens sollten Sie auch in Ihrer Argumentation nicht so hastig am Ziel vorbeischießen. Die Usance der eigenartigen Bedeutungsreihung ist symptomatisch. Die Komanis, die beiden kosovarischen Zwillingen waren aus Steyr(„net aus Wean sans“, wie Dr. Badegruber sagen würde), auch sie  wurden aufgeregt als  Aufmacher über Stunden in die Ohren der Radio Wien Familie gedrückt. Also falsch argumentiert. Maria Sträußlberger von der Caritas in der Pfarre Steyr-St. Anna war am 18.Oktober im ORF überglücklich, dass ihre Schützlinge nach Steyr zurückkommen dürfen. Nicht Wien!
Nun sie sind für die Programm-Direktorin eingesprungen, welche nicht genau wusste was sie schreiben sollte. Als  Chef-Redakteur sind Sie im Customer Care Management nicht so firm wie ein Markenartikler, wie man merkt. Es gibt aber Kurse.
Schade, hätte von Radio Wien mehr Qualität im  User Relationship erwartet. Und Einsicht.
 
Lutz Nowotny
 
 
Die Antwort ist bis heute ausgeblieben – Funkstille