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Schnipp und weg

Religion

Schnipp und weg
 
Zuerst einmal eine Geschichte aus dem alten Österreich, sie spielt in Lemberg: Ein Besucher aus Wien gerät an ein Geschäft, in der Auslage sind schöne goldene Uhren zu sehen. Er betritt den Laden und will eine solche Uhr kaufen. Der Ladenbesitzer bedeutet ihm, er verkaufe keine Uhren. Er sei der Mohel, der Beschneider der jüdischen Gemeinde von Lemberg. Der Besucher: „Aber - Sie sind der Mohel - warum stellen Sie Uhren im Schaufenster aus?“ Drauf der Mohel: „Lieber Herr, was denn soll ich ausstellen?“
Wir sind beim Thema. Ein deutsches Urteil hat in den letzten Tagen einige Aufregung verursacht. Eine Beschneidung sei eine Körperverletzung und daher nicht gestattet. Ging zwar gegen die Mohammedaner, genauer gegen die Türken, aber das bekam eine allgemeine religiöse Dimension.
Beschneidungen sind in vielen Gesellschaften üblich. Hygienische oder gesundheitliche Gründe hat das nicht. Das wird oft in Diskussionen eingebracht, stimmt aber nicht. Die Beschneidung hat eine mnemotechnische Funktion. Prinzipien oder Anweisungen, die einem jungen Mann vermittelt werden und die zusammen mit einer Beschneidung erfolgen, haben einen hohen Erinnerungswert, vor allem, wenn man bedenkt, daß man den Körperteil, an den sich die Erinnerung knüpft, doch einigemale am Tag in die Hand nimmt.
Je gefährlicher und komplizierter eine Gesellschaft ist, desto drastischer werden solche Eingriffe gestaltet. So sind die Beschneidungen bei den australischen Aborigines, die in einer tödlichen Umgebung überleben müssen besonders grausam. Konsolidiert sich die Gesellschaft, werden die Beschneidungen in die früheste Jugend vorverlegt, so etwa bei den Juden und unterbleiben irgendwann einmal ganz oder werden durch eine symbolische Mißhandlung ersetzt, wie zum Beispiel die angedeutete Ohrfeige bei der katholischen Firmung.
Beschneidungen haben natürlich mit Religion zu tun, aber nur indirekt. Dennoch war das deutsche Urteil recht überflüssig, wie das eben oft so ist bei der deutschen Justiz. Man wird sich wieder abregen und wer seine Söhne beschneiden lassen will, wird das wohl weiter tun. Schaden wird es nicht.
 
Erinnerung an eine Reliquie

Das sanctum praeputium war eine der heiligsten Reliquien der Christenheit. Das war angeblich die Vorhaut Jesu und sie wurde Jahrhunderte verehrt. Es begann in der Zeit Karls des Großen und ging bis in die Achtziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts. Dann ist sie spurlos verschwunden. Möglicherweise ist sie immer noch Gegenstand geheimer Verehrung. Ich weiß es nicht. Aber es sollte uns doch daran erinnern, daß man Geschichte nicht vergessen sollte.