Gastbeiträge

Leserbrief an das „Profil“, Nr. 6 zum Artikel „Schützenträume“

 

Leserbrief an das „Profil“, Nr. 6 zum Artikel „Schützenträume“
 
Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion, sehr geehrte Frau Dzugan!
 
Grundlagen des seriösen Journalismus sind seit jeher eine gewissenhafte, umfassende Recherche sowie im Sinne der Hilfe zur Meinungsbildung zu sehende neutrale, nicht durch persönliche Präferenzen gefärbte Berichterstattung.
Unter der Betrachtung dieser Aspekte sehe ich den seriösen Journalismus, geschätzte Frau Dzugan durch Sie zumindest in diesem Artikel nicht vertreten!
Ich habe nach der Lektüre Ihres Artikel die von Ihnen angesprochen Beiträge des Herrn Dr. Zakrajsek aufmerksam gelesen, und bin mir nicht sicher ob Sie das auch getan haben?!
Es liegt auf der Hand, daß das Thema "Waffen" ein kontroversiell zu diskutierendes und auch sehr emotionales Thema darstellt.
Würde es zur Beruhigung beitragen zu betonen, daß die Amokläufe der letzten Zeit (Aurora/Newton) in sog. "Waffenverbotszonen" stattgefunden haben? Dort, wo für die Täter keinerlei Gegenwehr zu erwarten war? Wäre es korrekt zu behaupten, daß die Täter in medizinischer Behandlung waren, wegen Persönlichkeitsstörungen? Wäre es in Ordnung zu erwähnen, daß die Wirkung mancher Psychopharmaka im Zusammenhang mit diesen verabscheuungswürdigen Taten zu durchleuchten wären?
Alleine die Diskussion dieser wenigen Punkte würden bereits ausreichen, um die Emotionen hoch gehen zu lassen!
Würde das BMI, wie von Ihnen, Frau Dzugan angemahnt, Buch über die Anzahl der legalen Schußwaffen in Verbindung mit Strafrechtsdelikten führen, kämen den Waffengegnern viele Argumente abhanden. Das österreichische Waffengesetz ist ein relativ gutes Gesetz. Die Balance zwischen "öffentlichem Interesse" und "privaten Interesse" zu halten ist eine für den Gesetzgeber schwierige Aufgabe. Das hier die Wünsche der Jäger und Sportschützen, zu denen ich mich selbst zähle, und des Gesetzgebers manchmal kollidieren erscheint mir logisch.
Ebenso wie die Tatsache, daß ein immer wieder, gerade auch von den Medien durch Artikel wie den Ihren diskreditierter Teil der Bevölkerung, nämlich die legalen Waffenbesitzer versuchen, durch eine starke Interessenvertretung Ihre Positionen zu vertreten.
Die von Ihnen implizierte These "Strengere Gesetze bringen weniger Verbrechen" ist leider nachweisbar falsch. Verbrecher halten sich nämlich nicht an Gesetze! Nicht umsonst passieren Morde, obwohl jeder Mensch weiß, daß dies verboten ist.
Bestes Beispiel dafür ist Großbritannien. Dort wurden nach dem Amoklauf an einer Schule in Dunblane 1996 alle Faustfeuerwaffen verboten. Trotzdem hat sich die Kriminalität mit Waffen in den Jahren von 1998 bis 2007 vervierfacht! Und warum? Weil sich die Besitzer illegaler Waffen nicht um Gesetze kümmern!
Legale Waffenbesitzer sind sich der Verantwortung die Sie tragen durchaus bewußt. Als gesetzestreuer Bürger aber nicht kommentarlos jede Anlaßgesetzgebung über sich ergehen zu lassen muß auch erlaubt sein!
In diesem Sinne ersuche Ich Sie, geschätzte Redakteure und Autoren des PROFIL, Ihre journalistische Verantwortung gerade in diesem sensiblen Bereich mit Sorgfalt wahrzunehmen!
 
mit freundlichen Grüßen,

Alexander Nerat, Abgeordneter zum OÖ Landtag