Politik

Das Entsetzen des Gewürzkrämers

Das Entsetzen des Gewürzkrämers

 

Ein mir gut bekannter Gewürzkrämer ruft mich an. Zu recht ungewöhnlicher Zeit: Samstag abends. „Bitte schnell, bitte komm schnell . . .!“ stammelt er ins Telefon. Weitere Erkundungsversuche meinerseits schlagen fehl. Nur soviel, daß es um etwas Entsetzliches gehe, bringe ich aus ihm heraus.

 

 

Gut. Ich eile. Die Konsequenzen meiner Eile werde ich demnächst in der Post finden. Macht aber nichts. Einem so verzweifelt klingenden Bekannten hat man zu helfen und zwar so schnell wie möglich.

In seinem Gewölbe angekommen, frage ich nach der Ursache seiner Erregung. „Da sieh her!“ Mit schreckgeweiteten Augen zeigt er auf ein paar Gewürzsackerln. Und da sehe ich das. Auch mir verschlägt es die Sprache, ich beginne zu zittern, kann es nicht unterdrücken. Mit Mühe mache ich ein paar Fotos, Kamera habe ich ja immer dabei:

 


 

Jetzt werden meine Leser verstehen. Mein Gewürzkrämer hat sich inzwischen in einer Ecke verkrochen, konvulsivisches Zucken geht über seinen Leib. Er weint still in sich hinein. Lautloses Entsetzen auf seinem Gesicht.

„Wie ist das passiert?“ Ich ringe nach Worten.

Er habe aus Indien Gewürze bestellt, bricht es aus ihm heraus. Und in dieser Sendung habe er diese Sackerln gefunden, mich gleich angerufen. Nur ich könne ihm helfen. Er kenne ja meinen unermüdlichen Kampf gegen rechts.

Was tun? Hier ist ja wirklich guter Rat teuer. Vernichten geht wohl nicht, das sind ja wertvolle Beweisstücke. Das Dokumentationsarchiv wartet ja schon längst auf so etwas.

Ich beschließe also, das corpus delicti an mich zu nehmen, mitzunehmen und das dann den Behörden, am besten dem Verfassungsschutz vorzulegen. Natürlich werde ich das zuerst dem Dokumentationsarchiv zeigen, auch die ZARA kriegt etwas davon.

Dankbar winselt der Gewürzkrämer mir nach.

Leider ist daraus nichts geworden. Ich habe meine Frau nicht davon informiert, sie hat die Gewürze ins Gulasch geworfen, die Sackerln weggeschmissen.

Das Gulasch war allerdings so pikant wie noch nie. Immerhin.