Gastbeiträge

Vom Fieberwahn,..

Vom Fieberwahn,..

 

Erinnern wir uns daran, an die zahllosen Wohltaten, die uns auf europäischer Ebene vor lebensbedrohlichen Umständen bewahrten - und seien wir dankbar: Zuerst fokussierte sich das besorgte Augenmerk auf die Fieberthermometer.

Jeder Blick auf die Scala galt plötzlich als heißer Flirt mit dem Tod. Zu giftig sei das Quecksilber darin, lautete das Credo der edlen, den RitterInnen der kontinentalen Beglückungsmaschinerie. Und wenn man sich in Brüssel über die Gesundheit seiner gläubigen Untertanen ernsthafte Gedanken macht, so folgen schnell auch segensreiche Taten: Die brisanten  Messgeräte wurden also einkassiert, pardon, ausgetauscht gegen harmlosere Instrumente. Dadurch hat sich die Mortalitätsrate freilich drastisch verringert, wie wir alle wissen. Das tägliche Sterben durch trügerische Dämpfe des letal wirkenden Edelmetalls, ein solches ist es nämlich, wurde gottlob abgeschafft. Doch siehe: Die teuflisch-toxische Substanz kehrte als leuchtende Idee bald zurück in die einst davon befreiten Haushalte.  Auf Druck der allgewaltigen Machthaber übrigens und vielleicht - so munkeln unverbesserliche Verschwörungstheoretiker – ihrer spendenfreudigen Hintermänner aus dem Umfeld der Industrie: Die Einführung der  „Energiesparlampe“ als allein seligmachende Lichtquelle, verursachte wahre (Zwangsbe)glücksgefühle in der Bevölkerung.  Aber möglicher Weise handelte es sich dabei ja auch nur um eine umsichtige Recycling-Maßnahme, um dem günstig gewonnenen Quecksilber aus konfiszierten Thermometern zu einer neuen, lichtvollen Karriere zu verhelfen. Und dann rutscht diese revolutionäre Errungenschaft der Leuchtmittel-Technologie aus der Hand und zerbricht. Halb so schlimm, es ist ja ohnehin nur ein geringes Quantum Quecksilber. Zumindest weniger, als in den Fieberthermometern – die man ja, wie wir wissen, täglich mehrmals verwendet. Was man ja vom Lichtschalter nicht behaupten kann. Und obendrein: (Manche) Studien bescheinigen ja der Energiesparlampe völlige Unbedenklichkeit. Man muss nur den richtigen vertrauen. 

 

 

,..zur Bleifreiheit

 

Freiheit ist ein kostbares Gut. Glutenfrei, Zuckerfrei, Fettfrei – Endlich nun auch Bleifrei, nicht nur im Tank, sondern auch in Büchse und Flinte. Denn Projektile und Schrotkugeln stehen schon mit letalen Treffern im Dauerfeuer ambitionierter Interessengruppen. Ein epochaler Quantensprung in ein grünes Paradies wird es daher für unsere Nachkommen sein, wenn die längst schon dahin siechende Menschheit von dieser grauen Giftmüll- Plage befreit wird, hinterlassen in der geschändeten Natur ausschließlich von mordgeilen JägersmännInnen. Seen und Flüsse werden sich dann verwandeln  zu erquickenden Gesund- und Jungbrunnen, Felder, Wälder und Auen werden sprießen wie noch nie. So saftig, frisch, von Vitaminen strotzend und gesund wird Nahrung und Äsung wachsen, dass es fast schon an Doping grenzt. Eigentlich unverantwortlich ist nur, dass wir Edelprimaten bisher sämtliche Ausrottungsversuche, die das Blei auf unseren Organismus ausübte – abgesehen von Schussverletzungen -   mit kindlich störrischem Trotz ignorierten.  Längst schon müsste uns der kontaminierte kühle Rasen decken. Qualvoll krepiert an Spuren des weichen Metalls. Daher raten Gesundheitsexperten schon seit geraumer Zeit vor der Unsitte, des „Bleigiessens“, um noch den Neujahrstag zu erleben. Egal, ob 60 Prozent der Bleibelastung immer noch durch Verkehr – etwa Autobatterien - und Industrie verursacht wird. Und die Artenvielfalt auf Truppenübungsplätzen – das ist hinterhältige Propaganda.Ebenso wie die immer noch gern behauptete Existenz des Königreichs Belgiens. Das gibt es längst nicht mehr, zu Grunde gegangen. Nicht durch direkte Kampfhandlungen beider Weltkriege, sondern an den Spätfolgen. Tausende Tonnen bleihältiger Munition, dann auf diesen Flächen Anbau von Gemüse, Viehhaltung – und damit endgültig der „Biss ins Gras“. Auch die „Radieschen, von unten“ – reinster Giftmüll. Nun,  natürlich ist der rohe Verzehr von Blei – auch in kleinen Dosen- nicht empfehlenswert. Auch nicht in Gemüse und Salat, in dem sich nachweislich ein erklecklicher Anteil dieser unheilvollen Substanz befindet.  Übrigens: Eine sicherlich darüber frustierte Sparte, die an der Theorie der schleichenden Bleivergiftung möglicher Weise arge Zweifel hegen, ist die Immobilien-Branche. Und die Überzeugung, dass sich Blei unter Wasser abkapselt, wir hier wahrscheinlich als geschäftsschädigendes Faktum bewertet. So geistern sie noch heute durch ihre weitläufigen Zimmerfluchten. Schier unsterblich  – und behindern  die „Projektentwickler“ .Noch aber haben sie nicht vor, ihrem Schöpfer gegenüber zu treten:  die Zeugen des vorigen Jahrhunderts, unbeugsame Hofratswitwen, die vielleicht noch den letzten Kaiser erlebten. Zählebig und vital  residieren diese rüstig-renitenten Greisinnen in großräumigen Altbauten und zahlen einen schamlos niedrigen Friedenszins.  Ach ja, das viel gerühmte und weit gereiste „Wiener Hochquell- Wasser“ plätscherte seit eh und je aus massiven Bleileitungen. Seit ihrer Kindheit – bis heute. Vielleicht sind wir aber alle eh schon tot – und wissen es nur nicht.     

 

 

Sie sind der Grauen sämtlicher Immobilien-Haie und sie scheinen im doppelten  Sinne „unsterblich“ zu sein: Jene betagten Hofratswitwen, die vielleicht noch den letzten Kaiser erlebten. In unverantwortlicher Weise residieren diese Greisinnen in großräumigen Altbauten und zahlen als Miete einen schamlos niedrigen Friedenszins. Ach ja, das viel gerühmte und weit  gereiste „Wiener Hochquell- Wasser“ plätscherte seit eh und je aus massiven Bleileitungen. In Altbauten bis heute.     

 

 

Rüdiger MARTIN