Gastbeiträge

Busek und die Bilder

Busek und die Bilder

 

Der Herr Busek hat ein Buch geschrieben. Natürlich über sich selbst. Am Anfang und am Ende erfahren wir, dass er es eigentlich gar nicht schreiben wollte, weil Politiker-Bücher eh immer schlecht und von Ghostwritern geschrieben sind, aber die Freunde ... Die haben ihn halt so heftig überredet. Also hat er 269 Seiten verfasst und dann noch einmal seinen Lebenslauf samt Publikationen angehängt und ein Namensregister, in dem alle „wichtigen“ Leute vorkommen. Insgesamt 288 Druckseiten.

 

Es fängt beim Urgroßvater an und geht bis zum 73. Geburtstag des Verfassers (in diesem Jahr), alles bis ins kleinste Detail. Wer das liest, den befällt fast ein bisschen Mitleid. Wenn nämlich keiner da ist, den die lange und präzise Lebensgeschichte des Autors samt seiner Vorfahren interessiert, dann erzählt er sie eben der ganzen Republik.

Kein Wunder, wenn man sich das Kapitel über die „Freunde“ ansieht.

Genannt werden u.a. Voggenhuber, Frischenschlager, Molterer, Josef Pröll, ein paar seiner zahllosen Ladies ... Mit Kreisky hat er gut gekonnt, mit Vranitzky auch. Solche Leute eignen sich vielleicht zum Reden über Politik. Aber wer hat Interesse an dem Menschen namens Busek? Man wird den Eindruck nicht los: niemand.

 

Nicht-Freund ist natürlich Haider gewesen, u.a. aber auch Spindelegger, der im Lichal-Team für Buseks Rausschmiss gearbeitet hat. Und als „Schmerz“ blieb Schüssel. Dem hat er in den Sessel geholfen, was ihm der gute Schüssel nicht gedankt hat. Nachdem er gewählt war, kannte er Busek nicht mehr, wobei der Autor vergisst, dass er selbst – damals nach seiner Wahl – genau dasselbe mit seinen Freunden gemacht hat. Auch mit jenen, die wirklich Freunde waren.

Im Übrigen ist der Autor seit 19 Jahren aus der Politik, kann aber den Schnabel trotzdem nicht halten. Wer seine Kommentare ernst nimmt, erfahren wir nicht.

Dafür lernen wir, dass „Busek“ überhaupt nicht böhmisch, sondern deutsch ist, weil es ein Bus-Eck in Hessen gab und der Name früher dementsprechend geschrieben wurde. Auch recht.

 

Den Rest wussten Sie längst: Gewählt hat er die Neos, den Herrn Strolz erwähnt er allerdings nur am Rande. Und Pühringer hat gesagt: „Der Busek ist zu intelligent für die Politik.“ Seltsam, dass gleich vier Kapitel mit dem Wort „Heimat“ überschrieben sind, was irgendwie nicht recht ins Gutmenschentum passt. Seltsam auch, dass er die unselige Hirnwäsche des Fernsehens zwar anspricht, dazu aber CNN bemüht und nicht den ORF, der das ja fast noch besser kann. Im Parlament hat er sich „hervorragende Kenntnisse“ angeeignet und nichts bewirkt, obwohl er alles besser wusste, trotzdem erkennt er einige seiner Fehler und gesteht sie auch ein. Dumm war er ja nie. Ein „besonderer Freund“ der schwarz-blauen Regierung war er auch nie, statt dessen ist der Osten das wichtigste seiner Lebensbilder (steht so nicht dort, ist aber trotzdem nicht zu überlesen.)

Zu den „Bildern“ gehören auch jene Kapitel, die er der Kirche und dem Glauben widmet. No comment, wenn man den Mann gut kennt.

 

Fazit: Der Verfasser ist in der falschen Partei und die 24 Euro Buchpreis geben Sie besser für ein paar Achterln aus.

 

Liebe Grüße!

killercat

 

Erhard Busek: Lebensbilder. Kremayr & Scheriau, Wien 2014. ISBN 978-3-218-00931-7