Religiöses

Die Heilige mit dem Bart

Die Heilige mit dem Bart

 

Die Conchita ist ja nicht wirklich eine moderne Erscheinung. Schon vor mehr als 500 Jahren gab es ein Weib, das zur Ehre der Altäre gelangt ist – die heilige Wilgefortis, auch Heilige Kümmernis genannt. Sie war – nach der Legende – eine Königstochter, die heimlich das Christentum angenommen hatte. Ihr Vater, ein strammer Heide, wollte sie mit einem ebenfalls heidnischen Prinzen zwangsverheiraten. Das lief dem Glauben der Braut aber zuwider, die in ihrer Not himmlischen Beistand erflehte, der ihr auch in ungewöhnlicher Weise zuteil wurde – es wuchs ihr ein Bart.

Solcherart entstellt floh sie der präsumtive Bräutigam von Entsetzen geschüttelt. Die Hochzeit fiel ins Wasser. Das hatte natürlich entsprechende Folgen: der empörte und verständnislose Vater ließ die bärtige Tochter ans Kreuz schlagen und dergestalt hinrichten. Von Toleranz also (noch) keine Spur.

Zitat aus einem Morgenstern-Gedicht: „Und Sankt Anton gerufen eilig/sprach nichts als: „heilig, heilig, heilig!“

Sankt Anton war es nicht, aber heiliggesprochen wurde die Bart-Jungfrau dennoch. Der grausliche Bart hat ihr geholfen, ihre Tugend und Unschuld zu bewahren. Das verdient himmlische Anerkennung.

Bei unserer Königin der Herzen, der Conchita Wurst ist das etwas anders: Eine Jungfrau ist das nicht sondern ein Mann, der sich als Frau verkleidet, die sich einen Bart hat wachsen lassen. Und Conchita will ja die prinzlichen Buben nicht abschrecken sondern eher anlocken und wahrscheinlich kommen die auch jetzt in Scharen und bereiten sich, das Bett des Bart-Weibes vorzuwärmen, wobei sich die Frage erhebt, ob die entsprechenden Herren den Bart als erotische Anregung überhaupt wahrnehmen können, weil ja normalerweise die angestrebte Begegnung nicht von Angesicht zu Angesicht erfolgen wird, sondern auf die in diesen Kreisen übliche und praktikable.

Damit schließe ich erst einmal das Kapitel „Wurst“ obwohl über das Ende der Toleranz, das durch ihren Erfolg eingeläutet worden ist, noch zu sprechen sein wird.

 

P.S.: Noch eine zweite bärtige Heilige gibt es: die heilige Galla, der zwar kein Bart gewachsen ist, die sich aber einen umgehängt hat, um die zudringlichen Männer abzuschrecken, was ihr auch gelang. In unserer heutigen Zeit wäre aber die Bartgeschichte ein herber Fehlschlag geworden, weshalb ich von dieser Methode dringend abrate.

Heute würde es genügen, bei den Grünen einzutreten und für die EU zu kandidieren. Soll wunderbar funktionieren. Die Genderinnen wird man aber damit nicht loswerden. Nicht allen macht das etwas.