Waffenrecht Österreich

An den Ufern des Attersees

An den Ufern des Attersees

 

Da gab es unlängst eine riesige Aufregung. Ein Mann hat mit einem Luftgewehr Schießübungen veranstaltet. Die Insassen der Wohnwägen am Campingplatz haben die Polizei gerufen. Sie fühlten sich bedroht, denn der Schütze sei, so eine „Augenzeugin“ zwischen den Wohnwägen „mit dem Gewehr durchmarschiert“. Also wurde gleich ein Notruf abgesetzt.

Drei Einsatzfahrzeuge, Beamte mit kugelsicheren Westen sind am Ort des Schreckens erschienen. Wie man hört, wurde auch der Einsatz eines Panzerfahrzeuges erwogen, was aber daran gescheitert ist, daß dieses noch – mit Buttersäure verstänkert – irgendwo in Wien herumsteht und erst aufgetankt hätte werden müssen, was aber die Budgetlage des BMI schwer überfordert hätte. Also kein Panzer.

Die Situation wurde aber doch bereinigt. Das Gewehr entpuppte sich als Luftgewehr (könnte man in jeder Praterschießbude auch bekommen) und der Schütze als Nationalratsabgeordneter i.R. Kein Amoklauf, keine Toten und der Schütze hat glaubhaft versichert, er sei kein „Waffenfanatiker“. Uff! Entwarnung.

Vor dreißig Jahren wäre die Geschichte etwa so abgelaufen:

Anruf bei der Polizei. Ein gestandener Gendarmerieinspektor wäre (wahrscheinlich mit dem Radl) zum Ort des Geschehens gefahren, zum Schützen hingegangen und hätte folgendes gesprochen:

„Herr Abgeordneter, da hat a Narrische angruafn, Sie schießn do. Sans so guat, legn’s des Gwehr wegga, sonst kriagt die Alte no an Herzkasperl!“

„Ja, Herr Inspektor, ist in Ordnung, Bin eh scho fertig mit dem Einschießen!“

Ende der Amtshandlung.

Aber Österreich ist ja heute unglaublich sicher und die Leute sind wahnsinnig aufmerksam. Kein Luftgewehrschütze bleibt da unbeobachtet, keine Spritzpistole ungemeldet, man hat ja sogar schon wegen einer Bohrmaschine die Cobra gerufen. Die ist auch prompt gekommen.

Bei den Türken, Tschetschenen und Albanern muß man natürlich nicht so aufpassen. Das ist Folklore, kulturelle Vielfalt und wenn da einer herumschießt, kann man halt nichts machen.

 

Keine Waffenfanatiker im Parlament

Und das ist gut so. Der Abgeordnete Michael Ikrath ist keiner, hat er zumindest gesagt. Er war zwar Wehrsprecher der ÖVP und Milizoffizier ist er auch, aber das sagt ja nichts, weil in der ÖVP anscheinend die erwiesene Ahnungslosigkeit ein wichtiges Kriterium für jede Postenbesetzung ist. Schauen wir uns beispielweise den Finanzminister und den Wirtschaftsminister an.

Gerade der Herr Abgeordnete Ikrath ist mir schon einmal untergekommen und das kam so:

Wir wissen, daß die Deaktivierungsvorschriften für Kriegsmaterial geändert worden sind. Ein unglaubliches Gesetz, rückwirkend, macht tausende Bürger zu ahnungslosen Straftätern. Wenn jemand seinerzeit vom Bundesheer ein deaktiviertes Sturmgewehr erworben hat, mit amtlichen Zertifikat noch dazu, so muß er es jetzt wieder mit hohen Kosten neu deaktivieren lassen. Tut er das nicht, besitzt er auf einmal illegales Kriegsmaterial und kann bis zu einem Jahr ins Gefängnis wandern. Ausgedacht hat sich das eine psychisch gestörte Referentin im BMLV und die Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP haben das ungschauter beschlossen.

Ich habe natürlich daraufhin die zuständigen Nationalratsabgeordneten befragt. Der Herr Ikrath hat mir dazu mitgeteilt, das Gesetz sei hervorragend, denn es sei dadurch endlich „Rechtssicherheit“ geschaffen worden. Rechtssicherheit, wie das die ÖVP und deren Wehrsprecher versteht. Unglaublich. Wir werden wirklich von Idioten regiert.

 

An den Ufern des Attersees

Und jetzt sitze ich an den Ufern des Attersees. Wie der alte Indianerhäuptling, der am Ufer des Flusses sitzt und wartet, bis die Leichen seiner Feinde vorbeischwimmen. Manchmal muß man lange warten, manchmal nicht. Ich habe es wie es scheint erwartet.