Migrantisches

In Finnland ist es kalt

In Finnland ist es kalt

 

Ja, wirklich. Kalt und finster. Die beiden sind also in Finnland und die Finnen haben ihnen die Staatsbürgerschaft gegeben. Bedingung aber: Fred mußte zum finnischen Heer einrücken. Nun gut. Hat er natürlich gemacht. Dazu ist anzumerken, daß Fred Rubinstein eine gewisse Ähnlichkeit mit Fritz Grünbaum aufgewiesen hat. Witzig war er übrigens auch. Wenig Ähnlichkeit mit einem finnischen Krieger also.

Dann kam der Einsatz. Wie man weiß, war Finnland damals mit den Deutschen verbündet und einige deutsche Truppen waren dort stationiert.

Die finnische Heeresleitung hatte beschlossen, den Fred Rubinstein als Dolmetsch zu einer deutschen Truppe zu schicken. Ein wenig finnisch konnte er inzwischen. Zu einer SS-Einheit. Man kann sich vorstellen, daß Fred einigermaßen besorgt gewesen ist und seine Bedenken auch geäußert hat.

Aber – so wurde ihm gesagt, die Deutschen, ob SS oder nicht, seien Verbündete, es dürfe ihm daher nichts geschehen. Ob Jude oder nicht, er sei zu respektieren.

So war es auch. Alles ging korrekt zu, keine Anspielungen, keine Beleidigungen, so etwas wie eine Kameradschaft hat sich entwickelt.

Dann kam das Ende seiner Dienstzeit. Eine Abschiedsfeier mit einem gewaltigen Besäufnis fand statt.

Gegen Schluß der Sauferei faßte sich Fred ein Herz und sagte zum Kommandanten:

„Herr Sturmbannführer, jetzt kann ich es ja sagen: Ich bin ein Jud!“

Darauf der SSler:

„Aber Herr Rubinstein, das wußten wir doch in dem Moment als Sie bei der Türe hereingekommen sind!“

Ich habe meine Tante und Fred einigemale in Finnland besucht. Er hat mir die Geschichte erzählt und ich finde, sie sollte nicht in Vergessenheit geraten. Nach Österreich aber sind die beiden nie mehr zurückgekehrt.