Kriminalität

Die Rache ist mein - ich will vergelten, spricht der HErr

Die Rache ist mein - ich will vergelten, spricht der HErr

Steht im Buch Mose und ist so etwas wie die Verkündigung des Gewaltmonopols. Also ist die Rache dem HErrn vorbehalten.

Die Rache gleicht aus, sie stellt das Gleichgewicht wieder her, das durch die Übeltat gestört worden ist. Wenn der Herr aber nicht mehr rächt, was ist dann?

Und er rächt tatsächlich nicht mehr, denn er hat sich aus unserer Gesellschaft verabschiedet und der Staat, dem er das Gewaltmonopol und das Recht zur Rache übertragen hat, den gibt es auch nicht mehr, denn er erfüllt seine wichtigste Aufgabe nicht, nämlich das Recht durchzusetzen und wieder herzustellen - also die Rache vorzunehmen, die das Opfer oder deren Angehörige nicht mehr vornehmen dürfen.

Man unterschätzt die Funktion der Rache in einer Gesellschaft. Die Rache stellt die Ordnung wieder her, die der Täter zerstört hat. Die Strafe – die ja meistens nicht der Tat wirklich adäquat ist – vermag das nicht. Dazu kommt, daß heute zwischen Tat und Strafe ein oft sehr langer Zeitraum vergangen ist und die Unmittelbarkeit der strafenden Reaktion fehlt.

Ich habe noch einen Bericht aus den USA im Gedächtnis: In einigen Bundesstaaten, wo die Todesstrafe vollzogen wird, räumt man den Angehörigen des Opfers (meist geht es da um Mord) die Gelegenheit ein, dem Strafvollzug beizuwohnen. Manche nehmen das an. Da wurde die Mutter eines Mordopfers befragt, die der Hinrichtung des Mörders zugesehen hatte. Die alte schwarze Dame meinte, daß ihr der Moment, in dem der Mörder ihres Sohnes gestorben ist, ein ungeheures Gefühl der Befriedigung verschafft hatte. Für sie ist damit die Welt wieder in Ordnung gebracht worden.

Und das ist es: Die Welt wird mit der Rache wieder in Ordnung gebracht. Unsere Welt ist nicht mehr in Ordnung. Und das sollten wir ändern.