Kultur

Eine Nackerte am Maturaball

Eine Nackerte am Maturaball

 

Nackerte bin ich gewöhnt. Als ich meinen 50. Geburtstag gefeiert habe, hat mir mein lieber Freund Schimanko – leider schon gestorben – eine riesige Torte liefern lassen. Die war aus Pappendeckel und heraus ist eine recht spärlich bis gar nicht bekleidete Dame gesprungen. Tusch! Wie man es in den Filmen sieht und ich habe mich sehr gefreut.

Bei meinem Siebziger ist eine Polizistin in Uniform erschienen und das war gar keine Polizistin sondern eine Stripperin. Wunderbar. Das hat meine herrliche Frau organisiert und die hat genau meinen Geschmack erraten.

Also: eine Nackerte schreckt mich nicht wirklich und ich bin auch nicht empört wenn ich so etwas sehe.

In Wels dürfte das anders sein. Da ist bei einem Maturaball eine Dame aufgetreten, die sich – Bilder dazu werden von der Presse geliefert – effektvoll ausgedirndelt hat. Große Aufregung bei den Pädagogen und auch in den Medien.

Von der Reaktion der Schüler hört man nichts. Wohlweislich hat man die nicht gefragt.

Bei einem Maturaball sind die Schüler mindestens 18 Jahre alt und es gibt sicher auch ältere. Die werden also garantiert schon eine Nackerte irgendwann einmal gesehen haben. Aufgeklärt sind sie ja auch schon seit einigen Jahren und in die Wunderwelt des Arschpuderns wurden sie sicher bereits offiziell pädagogisch erfolgreich eingeführt. Und jetzt der schreckliche Maturaball. Das ist ein Eintritt in das Erwachsenenleben wie man ihn nur mit Entsetzen registrieren kann.

Ein Direktor bringt das auf den Punkt:

„Man wolle als höhere technische Lehranstalt das Frauenbild nicht auf Sexualität reduzieren: Frauen seien die zukünftigen Techniker.“

Also beim nächsten Maturaball empfehle ich die in Aussicht genommene Stripperin mit einem entsprechenden Outfit auszustatten, Preßlufthammer, Gehörschutz und Seilfett inklusive.