Gesellschaft

To ride, shoot straight and speak the truth

To ride, shoot straight and speak the truth

 

Das ist der Titel eines sehr lesenswerten Buches von Jeff Cooper. Viele meiner Leser werden das schon gelesen haben und wer es noch nicht gelesen hat, soll es sich kaufen. Die kommenden Feiertage werden genug Gelegenheit bieten sich das zu Gemüte zu führen.

Der Spruch stammt von Theodore (Teddy) Roosevelt aus einer Zeit, als die US-Präsidenten noch groß gewesen sind und nicht jammernde Softies, eine Zeit, die trotz allem jetzt wieder gekommen zu sein scheint. Trump ist so manches, ein jammernder Softie ist er nicht. Teddy hätte ihn gemocht.

Tatsächlich geht der Spruch – es ist eine Unterweisung, eine Erziehungsmaxime – auf Herodot zurück, der es aus dem antiken Persien mitgebracht hat. Man hat dort die Prinzen des Königs und die jungen Männer nach diesen Prinzipien unterrichtet. Die jungen Männer, die Krieger – und alle jungen Männer waren damals Krieger - sollten diese drei Fertigkeiten und Charaktereigenschaften beherrschen.

Reiten: Eine Selbstverständlichkeit damals, denn das Pferd war immer ein Kampfinstrument und die Beherrschung eines solchen großen und starken Tieres erforderte nicht nur sportliche Behendigkeit sondern auch Einfühlungsvermögen und Verständnis für das Reittier. Wer reiten kann, versteht sein Pferd, er achtet sein Pferd, hat Respekt, genau so, wie auch das Pferd vor seinem Reiter und Beherrscher Respekt haben muß. Das wichtigste aber ist zweifellos das Verständnis und die Fähigkeit, auch dem Pferd das Verständnis für den Reiter zu vermitteln. Das kann dauern, lohnt sich aber. Ohne gegenseitiges Vertrauen geht das nicht und ein guter Reiter liebt sein Pferd, denn er muß sich auch in der Not auf die Fähigkeiten und den Mut seines Pferdes verlassen können. Reiten ist charakterbildend und ein schlechter Mensch mit miesem Charakter wird sicher nie ein guter Reiter sein.

Schießen: Zu dieser Zeit war das natürlich Bogenschießen. Wer sich mit dem Schießen und dem Bogenschießen beschäftigt, weiß, daß auch das den Charakter und die Konzentrationsfähigkeit eines Menschen - vor allem eines jungen Menschen - zeigt. Diese meditative Funktion ist sogar heute noch unumstritten und wer einmal etwas von Kyudo gehört hat, wird das nachvollziehen können. Aber auch heute erkennen wir, daß es beim Schießen nicht nur kracht, sondern daß nur der gut trifft, der eine stabile Persönlichkeit aufweisen kann. Ein Zitat Coopers, als ich ihn einmal über die Person eines Politikers gefragt habe: „Er schießt gut, er kann kein schlechter Mensch sein!“ Mehr mußte er nicht sagen.

Die Wahrheit sprechen: Das erfordert Mut und Persönlichkeit. Wer die Wahrheit sagt, hat Mut und wer als junger Mensch die Wahrheit sagt, ist auf dem besten Weg, ein richtiger Mann zu werden, ein Krieger, der sich vor nichts und vor niemandem fürchtet. Dieser Mut ist unserer Jugend heute weitgehend abhanden gekommen, wurde ersetzt durch kritikloses Nachplappern von nicht verstandenen Parolen. Wer mit der Masse hüpft, braucht keinen Mut, er hat ihn auch nicht.

Reiten, Schießen und die Wahrheit sprechen. Wir sollten unsere jungen Männer wieder nach diesen Prinzipien erziehen. Es ist schwer und es wird immer schwerer. Männer erziehen nicht mehr, es erziehen nur mehr Mäderln und was dabei herauskommt, sehen wir tagtäglich. Es gibt vielleicht gewisse Nischen, wo sich diese Erziehung noch gehalten hat. Manche Schulen, manche Universitäten erziehen sicher anders. Beim Heer bin ich mir allerdings heutzutage nicht mehr so sicher.

Wir leben also in einer Zeit, in der Väter ihre Söhne nicht mehr erziehen und nicht in der Lage sind, diese Tugenden zu fördern und zu bilden. Wir leben daher in einer Zeit der Lüge, der Feigheit und der Furcht.

Wir leben aber auch in einer Zeit, wo andere Söhne noch anders erzogen werden, zu Männern, die tapfer sind, die für ihre Überzeugung einstehen, auch wenn sie die falsche ist.

Wer letztlich dabei gewinnen wird wissen wir nicht. Wir können nur hoffen, daß am Ende dieser Entwicklung ein Mann steht, der sein Gewehr oder seine Pistole in der Hand hält und damit umgehen kann.