Migrantisches

Ich bin ein Nachbar

Ich bin ein Nachbar

 

Dabei habe ich das gar nicht gewußt, daß ich einer bin. Gerade nämlich habe ich erfahren, daß ich zu Idlib (liegt in der Türkei oder in Syrien, so genau weiß man das nicht) ein Nachbar bin und daher gefälligst spenden soll. „Nachbar in Not“ heißt die Aktion und Geld wollen die haben, ist ja klar.

Was aber ist ein Nachbar? Einem Nachbarn helfe ich gerne. Und wenn mir was passiert, wird mir mein Nachbar sicher auch helfen. Das nennt man Nachbarschaft.

Natürlich habe ich Nachbarn. Wenn denen was zustoßen sollte, werde ich ihnen beistehen und spenden würde ich wahrscheinlich auch. Aber in Idlib habe ich keine Nachbarn. Wer dort zu Hause ist, den kenne ich nicht und der Mensch aus Idlib ist daher auch kein Nachbar.

Dieser Spendenaufruf ist also eine bodenlose Frechheit. Denn die Leute aus Idlib denken natürlich auch nicht daran, mir zu helfen, wenn ich Hilfe brauchen sollte. Meine Hilfe, mein Geld würden sie nehmen, dankbar werden sie aber nicht sein. Ich bin ja noch dazu ein Ungläubiger, den man zwar ausplündern darf aber dankbar muß man ihm nicht sein.

Daher – meine lieben Spendensammler: Von mir kriegt ihr nichts. Ich bin nämlich kein Nachbar.